Führung durch die Brauerei Schützengarten

Umgeben von mehr als 3‘000 Bierflaschen aus Schweizer Brauereien wurden wir im Bierflaschen Museum von Pia Zweifel herzlich in Empfang genommen. Wir nehmen euch, liebe Leser/ -innen, mit auf eine spannende Führung durch die St. Galler Brauerei Schützengarten.

Fakten

  • 1779: Gründung des Schützengartens durch Johann Ulrich Tobler
  • 1895: Schützengarten baut ein eigenes Wasserkraftwerk an der Sitter für den eigenen Stromgebrauch
  • 2019 feierte die Brauerei Schützengarten das 240 Jahre Jubiläum
  • Das Sortiment besteht aus über 20 individuell gebraute Biersorten.
  • 50 Service-Fahrzeuge sind Tagtäglich zwischen Bodensee, Zürichsee, Vierwaldstättersee und Lago di Lugano unterwegs.
  • 220 Mitarbeitende brauen jährlich 17 Mio Liter Bier.
  • 888 als „magische Zahl“: 8 Stunden Brauzeit, 8 Tage Gärzeit, 8 Wochen Lagerung und Nachgärung
  • 2’500 Restaurants führen Schützengarten-Bier
  • über 3’000 Bierflaschen im Bierflaschenmuseum

Wo das Brauen beginnt

Vom Bierflaschen Museum aus ging es weiter in das sogenannte Sudhaus, wo wir einen Einblick in die ersten Prozesse der Bierherstellung erhielten.
In der sogenannten Maischepfanne wird das geschrotete Malz zusammen mit Brauwasser stufenweise erhitzt. Die Maische wird anschliessend im Läuterbottich in Brauflüssigkeit und unlösliche Bestandteile geteilt. Die Rückstände können später als Tierfutter verwendet werden.

Maischepfanne im Sudhaus
Maischepfanne im Sudhaus.

Aus der Maische wird die Bierwürze, welcher Hopfen und Gewürze beigegeben wird, je nach gewünschtem Endprodukt. Und dann heisst es Abkühlen im Whirlpool. Damit ist aber nicht ein Pool zum Entspannen gemeint, sondern ein ausgeklügeltes Kühlungsverfahren, bei dem die Wärme der Flüssigkeit als Energie gespeichert wird.

Wir hatten die Möglichkeit, die verschiedenen Hopfen- und Malzsorten zu riechen, zu fühlen und zu probieren. Je dunkler die Malzsamen waren, desto bitterer waren sie und desto stärker müssen sie erhitzt werden.

Zeit und Geduld sind das A und O

Vom Sudhaus ging es dann an den Ort, an dem die Brauwürze langsam zum Bier heranreift. Was ist denn, abgesehen vom Geschmack, typisch für Bier? Genau, der Schaum und die Kohlensäure! Beide werden durch die Zugabe von Hefe erzeugt, wobei diese zu gären beginnt und Alkohol daraus entsteht. Nach etwa acht Tagen ist die Hauptgärung beendigt und die Flüssigkeit hat sich zu Jungbier verwandelt.

Wir hatten die Möglichkeit, in riesige Gärbottiche zu sehen. In einem war das Bier einen Tag zuvor eingefüllt worden. Dort konnte man die Schaumbildung noch nicht so gut sehen, dafür jedoch in einem anderen Bottich. Die Schaumdecke erinnerte an Wolken.

Nächste Station: Das Lager, in dem das Bier in grossen Tanken kühl gelagert wird und reift, jedoch noch ohne Hefe. Der Prozess der Nachgärung kann bis zu 8 Wochen dauern, bevor das Endprodukt in Flaschen und Fässern abgefüllt werden kann.


Diese Methode des sogenannten „Slow Brewings“ ist der ganze Stolz der Brauerei Schützengarten. Sie beinhaltet eine makellose Qualität der Rohstoffe und die langsame und schonende Brauweise und Reifung des Biers. Bei diesem Verfahren braucht es viel Geduld und Zeit, was sich jedoch im Endprodukt auszahlen wird.

Bevor das Bier hinausgeht

Bevor das Bier lieferfertig ist, muss es in Flaschen, Krügen, Dosen oder Fässern abgefüllt werden. In der Abfüllhalle angekommen, war da leider kein Hochbetrieb, wie man es sich vorstellt. Jedoch hat dieser Unterbruch einen guten Grund: im Winter gibt es in der Brauerei eine bis zwei Sud Pausen, welche zur Revision der Füll- und Reinigungsanlagen dienen. Normalerweise werden hier ca. 28’000 Flaschen pro Stunde gereinigt, abgefüllt, ettiketiert und verpackt. Eine Flasche kann dabei etwa 60 Mal gereinigt und neu befüllt werden.

Das St.Galler Klosterbräu
Das St.Galler Klosterbräu.

Ein Abteil der Abfüllhalle ist nur für Fässer gedacht. Hier gehen die gleichen Schritte über die Bühne, wie bei den Glasflaschen. Interessant ist, dass 2- und 3-Liter Krüge sowie 5-Liter Dosen noch von Hand abgefüllt werden.

Endstation

In riesigen Türmen stapeln sich Harasse und Palette en masse. Da fühlte man sich ganz klein in diesem grossen Lager. Die Brauerei Schützengarten vertreibt nicht nur Bier, sondern auch Getränke von anderen Anbietern, die sie vor allem an Gastronomen oder Detaillisten verkauft.
Innerhalb von zwei Tagen wird das ganze Bierlager neu befüllt. Von St.Gallen aus werden die verschiedensten Biersorten sowie die anderen Getränke ausgeliefert und das von der Bodenseeregion bis hin zum Vierwaldstättersee und ins Tessin.

Degustation

Nach dem faszinierenden Einblick hinter die Kulissen der Brauerei Schützengarten durften wir die verschiedenen Bier und Ale Sorten selbst probieren. Mit Pia Zweifel hatten wir eine erfahrene Sommelière, die uns sehr gut beraten konnte und interessante Fakten kannte. So auch, dass gewisse Biersorten für verschiedene Speisen besser passen, als andere. Ein dunkles Bier eigne sich besonders zu Fleisch, Fisch oder dunklen Saucen. Und somit kamen wir dann ans Ende der Führung.


Wir bedanken uns herzlichst bei der Brauerei Schützengarten für diesen spannenden Blick hinter die Kulissen. Und auch bei Pia Zweifel, die uns mit ihrem Wissen in die Welt des Bierbrauens eingeführt hat.

Dieser Beitrag ist in einer Kooperation mit der Brauerei Schützengarten entstanden.


Text: Jennifer Bruderer

Bilder: Lynn Rissi

Erschienen am: 9. Februar 2020

Erschienen auf: www.sgplaces.ch/blog

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